Superman: Unkaputtbar

Superman fliegend
Wer kennt ihn nicht? Er ist das Urgestein aller Superhelden.

Wo immer Menschen in Not sind, ist er zur Stelle: Schneller als eine Kanonenkugel, stärker als eine Lokomotive, er springt mit einem Satz über Häuser...

Im Jahr 1930 erschien das Erstlingswerk »Gladiator« des amerikanischen SF-Autors Philip Gordon Wylie. Der Held des Romans, Hugo Danner, besaß durch den Genuß eines Wundermittels außerordentliche physische Stärke, war nahezu unverwundbar, konnte 15 Meter hoch springen, wilde Stiere durch einen Faustschlag zwischen die Augen ausschalten und Autos an der Stoßstange hochheben.

Das alles machte natürlich einen gewaltigen Eindruck auf die beiden 16jährigen High-School-Studenten Jerry Siegel und Joe Shuster. Ist ein mit derartigen Kräften ausgestatteter Übermensch doch die ideale Projektionsfläche für die Wunschträume männlicher Teenager: Andere Männer zollen ihm ehrfürchtigen Respekt, die Frauen liegen ihm zu Füßen.

Und so schmiedete das Gespann Siegel & Shuster mit jugendlicher Begeisterung Pläne zu ihrer eigenen Figur. Doch zunächst hagelte es Ablehnungen. Sogar Will Eisner erkannte nicht Supermans Potential: »Ich habe es ihnen zurückgeschickt, und ihnen erzählt, sie seien noch nicht so weit.« Max C. Gaines, Vater von William M. Gaines und Gründer von EC (s. Artikel in diesem Heft) war ursprünglich ebenfalls nicht interessiert, empfahl »Superman« dann aber doch für die vierte Reihe des Verlages »National Allied Publications« (später nach seiner fünften Reihe »Detective Comics« DC getauft).

So erblickte Superman 1938 das Licht der Welt und sein beispielloser Siegeszug ist heute Geschichte. Die Abenteuer, die der letzte Sohn des Planeten Krypton seitdem bestand, sind Legion: Er rettete die Menschheit an die hundertmal vor außerirdischen Invasoren, stand im Ring mit Muhammed Ali, sah Universen und seine Cousine sterben, schüttelte die Hand von Präsident Kennedy, betätigte sich als Gehirnchirurg und Drogenberater und führte nebenbei auch noch ein normales Privatleben als Reporter Clark Kent.

Doch trotz mehrerer großer Kinofilme begann der Mann aus Stahl langsam Rost anzusetzen. Er war einfach zu perfekt, zu gut, zu schön, zu glatt und eben leider auch zu langweilig. Es drohte ihm dasselbe Schicksal wie Jahre zuvor der Mickey Mouse: Der langsame Wärmetod in moralinsaurer Political Correctness.

Mitte der Achtziger Jahre gelang John Byrne die Reanimation der Comic-Ikone, indem er Supermans Unbesiegbarkeit auf ein erträgliches Maß zurückstutzte und ihn menschlicher machte (nebenbei erfuhr man auch noch, wie ein unzerstörbarer Bart rasiert wird).

Nach Byrne wurde es dann wieder stiller, bis DC sich 1992 zu einem ungewöhnlichen Schritt entschloß: Man ließ Superman einfach den Heldentod auf dem Schlachtfeld sterben. Warum er heute wieder quietschfidel ist und (viel wichtiger) warum er plötzlich diesen sexy Fabio-Haarschnitt hat, kann man ausführlich in »Der Tag an dem Superman starb« und seinen Folgebänden nachlesen (Carlsen , je DM 26,90).

Trotz 20-jähriger Präsenz im bundesdeutschen Zeitschriftenhandel unter der Ägide des Ehapa -Verlages blieb Superman in Deutschland der Kultstatus bisher verwehrt. Das könnte sich jetzt ändern, denn der Dino-Verlag beabsichtigt, Supie wieder auf den Thron zu setzen: Mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren und einem günstigen Preis von 3,90 DM für 50 Seiten kann das durchaus gelingen.

Bei allen Veränderungen steht Superman nach wie vor für bunte, solide produzierte, kurzweilige und moralisch einwandfreie Unterhaltung. Das ist selten geworden in einer Zeit, deren ganz normale Helden mordende Psychopathen sind, und die ehedem so klaren Grenzen zwischen Gut und Böse in statischem Rauschen unterzugehen drohen.

Und so wird der Mann aus Stahl dann wohl auch als Hundertjähriger noch in jugendlicher Frische hoch am Firmament seine Kreise ziehen. Und aus tausenden von Kehlen wird es schallen: »Schau! Oben am Himmel! Es ist ein Vogel! Es ist ein Flugzeug! Es ist ... Superman!

Cord Wiljes

Superman Bd. 1
Louise Simonson (Text)
Jon Bogdanove (Zeichnungen)
Dan Jurgens (Text & Zeichnungen)
52 Seiten, vf., DM 3,90
Dino Verlag, bereits erschienen


Interview
mit Dan Jurgens, Autor und Zeichner von »Superman«.

CSL: Was unterscheidet Superman von dem Heer anderer Superhelden?

Jurgens: Superman war der Erste und ist in vielerlei Hinsicht der Beste. Mehr als die meisten anderen Helden verkörpert Superman die besten Eigenschaften in uns allen. Er steht für Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit und für die größten Hoffnungen der Menschheit.

CSL: Gibt es genügend Comics für jüngere Leser (unter 14 Jahren)?

Jurgens: Ich bin der Meinung, daß es noch vor zwei Jahren zu wenig solcher Titel gab, aber das hat sich geändert. »Shazam«, »Impulse«, »Flash«, »Untold Tales of Spider-Man« und die regulären Superman- und Spider-Man-Titel und die »Fantastic Four« und einige andere sind gut für diese Altersgruppe geeignet. CSL: Welche Qualitäten sollte ein Comic haben, um jüngere Leser anzusprechen?

Jurgens: Spaß, Abenteuer, Drama und überlebensgroße Charaktere und Action, die die Grenzen des Mediums zu sprengen scheint. Autor und Zeichner sollten soviel Begeisterung in jede Seite pumpen, daß der Leser gar nicht anders kann, als das zu spüren.

CSL: Ist Superman als Vorbild geeignet? Oder ist er einfach zu perfekt, um noch menschlich zu sein?

Jurgens: Ja, Superman ist ein Vorbild. Aber weil er zuerst Clark Kent ist und dann erst Superman, glaube ich nicht, daß es ihm an Menschlichkeit mangelt. Ganz im Gegenteil - durch seine Eltern und Lois wird sehr klar, daß er äußerst menschlich ist.

CSL: Gibt es Neuigkeiten über die geplante Hochzeit zwischen Lois und Superman? Können wir demnächst mit einem Superbaby rechnen?

Jurgens: Leider noch keine Informationen. Einfach in Geduld üben!

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© Cord Wiljes, last updated 06/07/97